Guantanamo

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Auf dem Küchentisch liegt ein Zettel von unserer Katzensitterin: ‚Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, aber eure Katzen sind die reinsten Ausbrecherkönige.‘

„Das hast du dir selbst zuzuschreiben!“ Der WG-Älteste schaut kurz vom Pfoten lecken hoch und bedenkt mich eines müden Blickes.

„Herrschaften, es hat seinen Sinn, dass ich die Katzenklappe verbarrikadiere, wenn wir einige Tage außer Haus sind. “

„Es hat auch seinen Sinn, wenn wir die Barrikade beiseite schieben und uns trotzdem durch die Katzenklappe quetschen. Ich verstehe die Angst von euch Dosis ohnehin nicht – was soll uns denn nachts draußen schon groß passieren?“

„Nun, zunächst mal wohnen wir am Wald. Es soll schon Füchse gegeben haben, die Katzen reißen.“

„Du weißt aber schon, dass wir von Großkatzen abstammen? Unsere Urahnen sind die Säbelzahntiger, wir sind wilde Tiere! Wir werden doch wohl mit einem Fuchs fertig.“

„Ja klar … Und was ist mit den Jägern? Die schießen auch gern mal Haustiere, wenn keiner hinguckt. Und dann die Horrorgeschichten über Katzenfänger!? Sie locken in der Dämmerung Katzen mit Futter an – da seid ihr verfressene Bande definitiv gefährdet – und ziehen ihnen das Fell über die Ohren. Man hat schon Katzenfellanteile an Taschen und Schuhen nachgewiesen! Und nicht zu vergessen die Vollidioten mit Bleifuß, die unsere Straße rauf und runter donnern, die können mit Sicherheit nicht mehr rechtzeitig bremsen – wenn sie es denn überhaupt wollen! Was die Autos angeht muss ich mit dir auch ein Wörtchen reden, Tabea. Ich habe dich schon zweimal auf der Straße sitzen sehen, als ein Auto kam. Ein Tipp: Nicht jeder bremst für eine Katze, auch wenn sie noch so rotzfrech aus dem Fell guckt!“

Mein Angetrauter und ich haben gestern eine Theorie entwickelt, wonach Tabea schon einmal gelebt haben muss, als Türsteher auf dem Hamburger Kiez. Diese „Du kummst hier ned rein…“ – Mentalität legt Madame nämlich auch den Autos gegenüber an den Tag: Sie macht den Weg unter keinen Umständen frei! „Vermutlich hatte sie ihren Knickschwanz auch damals schon“, mutmaßt meine bessere Hälfte.

„Ich sage euch, Herrschaften Katz‘, nicht alle Menschen lieben die Tiere, einigen steht ihr Profit oder ihr Spaß am Leid Unschuldiger wesentlich näher. Es gibt unter den Menschen unsagbare Tiere!“

„Wie sprichst du denn von Deinesgleichen??“ Die WG ist verwirrt.

„Seit dem Internet erfährt man fast in Echtzeit von allen Greueltaten, die der Menschheit so einfallen, wie soll man denn da seinen Beschützerinstinkt unterdrücken?“

Während ich oben mit weiten Teilen der WG diskutiere, poltert es unten im Keller. Als ich dort ankomme, finde ich die fantasievolle Katzenklappenblockade, die unsere Katzensitterin aufgestellt hat: Wäscheständer, Trittleiter, Katzenklo und noch ne Trittleiter (Leitern und Ständer natürlich zusammengeklappt). Das war notwendig, da unsere schöne Chiplese-Katzenklappe schon nach einem halben Jahr den Geist aufgegeben und uns jegliche Funktion versagt hat. Zwischen dem umgekippten Wäscheständer und der Katzenklappe liegt Gill auf dem Rücken (warum auch immer) und versucht sich gerade durch die Katzenklappe zu zwängen. Hah! Die Ausbrecherkönigin ist gestellt! Sie schiebt also Abend für Abend den Krempel beiseite und dann hat die gesamte WG Ausgang.

Während ich mir die schimpfende Gill schnappe und die Barrikade-Idee überdenke, ereilt mich ein Geistesblitz: Man könnte auch einfach abends und während unserer Abwesenheit die Katzenklappe der Zwischentür, die zum Keller führt, verschließen. Manuell. An der geht so schnell nix kaputt. Mensch, ich Blitzbirne! Seit Wochen schiebe ich jeden Abend Trittleiter und Katzenklo ganz dicht an die Klappe und verhindere so die Katzenflucht. Nicht, dass mich mein Angetrauter nicht auf die Zwischentürkatzenklappenverschließmöglichkeit hingewiesen hätte, ich habe die Zeichen nur falsch gedeutet! Kann man Stress-Amnesie als Ausrede gelten lassen?

Als ich wieder nach oben ins Wohnzimmer komme, tagt bereits der Katzenrat. „Ich hab euch doch gesagt, irgendwann schnallt sie es.“ „Schade, war ein schönes Wochenende.“ „Wir hätten die Ausbruchversuche doch eher starten sollen.“

Als sie mich sehen, verteilen sich die Herrschaften Katz‘ auf der Couch und beginnen, sich mit unschuldiger Miene zu räkeln und zu putzen…

 

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

7 Gedanken zu „Guantanamo“

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