Pah!

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Es ist erstaunlich, welch‘ überaus menschlichen Züge so ein Katzentier an den Tag legt. „Beleidigt sein“ wurde vom Katzengeschlecht entweder perfektioniert oder erfunden – so genau weiß das keiner. Ein beeindruckendes Beispiel findet sich hier:

Der erhabene Kater Finn war gerade 12 Wochen alt, als er bei uns einzog. Er war ein Frauchen-Kater und Charmeur! Natürlich wurde die kleine Katze nach Strich und Faden verwöhnt, damit ihm der Abschied von seiner Familie (die im Nachbarhaus lebte) nicht so schwer fällt.

Ein halbes Jahr später – eines schönen Dezembertages – trat Tom in unser Leben. Zu diesem Katerchen kamen wir wie die Jungfrau zum Kinde. Uns war morgens noch nicht klar, dass mittags ein zweites Katzentier bei uns einziehen wird, aber diese Geschichte erzähle ich ein anderes mal. Ich komme also mit dem kleinen Tiger in der Transportbox nach Hause. Man beschnuppert sich, das ist schonmal ein gutes Zeichen. Ich lasse Tom aus der Box. Kein fauchen, kein Pfotenhieb, keine Flucht, das sieht gut aus. Da die beiden im gleichen Alter sind merken sie schnell, dass sie einen guten Spielkameraden im anderen haben. Sie jagen sich gegenseitig durch die Wohnung über Tische, Bänke und die neue, sauteure Ledercouch. Ab und zu rutscht einer der beiden  im Eifer des Gefechtes ab und findet Halt, indem er seine Krallen ins Leder kloppt. Das war der Anfang vom Ende für dieses prachtvolle Möbelstück. Aber dieser Verlust ist hier nicht Gegenstand des Geschehens. Obwohl, mein Angetrauter und ich hätten durchaus beleidigt sein können als die Katzen unserer Couch eine neue Struktur verpassten!

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Die beiden Kater sind sehr schnell dicke Kumpels mit allem was dazu gehört: sich jagen, kämpfen, sich gegenseitig den Pelz putzen und aneinandergekuschelt schlafen. Seine beiden Menschen guckt der schwarze, erhabene Kater allerdings seit Toms Ankunft mit dem Arsch nicht mehr an! Oder andersrum, wenn überhaupt, dann guckt er und NUR nur mit dem Arsch an. Er versteckt sich. Wenn man dem Kater den Rücken streicheln will, biegt er sich unter der Hand durch in Richtung Fußboden, damit wir ihn nur nicht berühren! Es ist nicht zu fassen, wie beweglich Katzen sind! Finn windet sich unter den Streichelversuchen weg und sucht das Weite. Und, wie schon erwähnt, schaut er uns nicht mehr an. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kennt ihr das, wenn ihr euch mit jemandem unterhaltet, ihm dabei genau in die Augen seht und erkennt: mein Gegenüber hört mir gar nicht zu sondern ist mit seinen Gedanken ganz woanders?! Die Augen dieser Menschen sind leer. Katzen können das auch. Ich habe den Kater auf dem Arm gehalten, mit der Hand seinen Kopf in meine Richtung gedreht und ihm in die Augen geschaut. Er schaut durch mich hindurch.Ich setze ihn auf den Boden, er haut ab. Ich rede mit ihm, er kneift die Augen zu. Ich streichle ihn, er steht auf und geht. Auch nach einigen Wochen hatte sich die Situation nicht maßgeblich geändert. Er war zwar wieder etwas zutraulicher, aber durch die Ankunft von Tom, hatte sich Finns Katzen-Wesen von Grund auf verändert! Es war unglaublich!

Unser Verhältnis besserte sich erst 1 1/2 (!) Jahre später, als der Schwarze versehentlich 6 Tage lang in einem Keller des gegenüberliegenden Mietshauses eingesperrt war. Jeden Abend nach Mitternacht lief ich in der Straße auf und ab und lauschte auf jedes noch so kleine Geräusch. Ich knisterte mit Katzensnack-Stängelchen und lockte damit die gesamte kätzische Nachbarschaft an, nur unser Finn blieb verschwunden! Oft standen mein Angetrauter und ich auch auf dem Balkon und riefen nach ihm. Manchmal war ein sehr zartes miauen zu hören das aber so leise war, dass wir uns nicht sicher waren, es überhaupt gehört zu haben. Die nackte Verzweiflung machte sich breit, zumal wir vor hatten, in absehbarer Zeit umzuziehen. Er würde uns nicht mehr finden, wenn er zurück kommt… Als wir am sechsten Tag kurz vor Mitternacht nach Hause kommen, lasse ich das Auto vor unserem Haus mit laufendem Motor mitten auf der Straße stehen, springe raus und schließe unseren Schwarzen in die Arme! Eine Nachbarin sagt, er hätte geschlagene 6 Stunden vor unserer Haustür gesessen. Von diesem Tag an war er fast wieder unser alter Finn: er schmuste, schnurrte und lies sich ausgiebig streicheln. Den Schein des unnahbaren, erhabenen Katers hatte er zwar immer wahren können aber nun wussten wir, tief in seinem kleinen Katerherzen liebte er uns doch!

 

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

4 Gedanken zu „Pah!“

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