Komm! Jetzt! Da! Raus! („umgekehrte“ Psychologie)

Der Tierarztbesuch steht an. Besondere Aufmerksamkeit ist geboten und „umgekehrte Psychologie“erforderlich. Katzenpersonal nickt jetzt wissend / mitleidig / lächelnd. Da vermutlich die meisten Leute, die einen Katzenblog lesen, ohnehin Katzenbesitzer sind, schließe ich diesen Beitrag mit den Worten: Gott sein Dank wieder daheim. Es war unblutig. Für mich, nicht für die Tierärztin…

Moment! Die WG besteht darauf, dass ich die Schmach mit den regelmäßigen Tierarztbesuchen hier zum besten gebe. „Schließlich wäre das Leben nicht nur eitel Sonnenschein. Und vielleicht könnte man auf diesem Wege die anderen Katzen dazu anhalten, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen!“, sagt der soziale Katz‘.

„Wenn du meinst, Tom. Aber ich glaube nicht dass es viel bringt, Katzen können nicht lesen. Ihre Besitzer schon. Und die wollen das Beste für euch; der Tierarzt wird also immer ein Thema zwischen Mensch und Katz‘ bleiben.“

Der Kater zieht sich beleidigt zurück. WIE beleidigt so eine Katze sein kann, wird in einem späteren Beitrag noch Thema sein.

Zunächst erörtern wir das Thema: Wie bekommt man die Katze IN die Transportbox? (Proband: Reddy)

Ich muss zugeben bei Tom, Gill und Tabea und Finchen habe ich da leichtes Spiel; man soll es nicht glauben. Katze von der Couch pflücken und unter (wenn überhaupt vorhanden) leichter Gegenwehr in die Box setzen, fertig. Spannend wird es bei Reddy. Erste Vorkehrungen werden getroffen: Unsere Couch ist U-förmig und steht mit zwei Seiten an einer Wand. Ich hole die Box, Reddy flüchtet hinter die Couch. Ich versperre an beiden Couchenden die Fluchtmöglichkeit mit einer Box. Reddy beginnt tief und grollend zu miauen und zu fauchen. Ich angele mit einer Hand hinter der Couch nach ihr und schiebe sie vorsichtig in Richtung Transportkorb – sie stellt sich mit allen Vieren dagegen und faucht. Ich schiebe so lange bis ich sie mit dem Kopf in der Box habe, worauf sie eine geschickte Kehrtwendung vollzieht, dann über die Box springt und ins Esszimmer rennt.

Mist.

Unser Wohn-/ Essbereich ist komplett offen. Mitten im Raum befindet sich ein Treppenaufgang, das bedeutet, man kann beim Katzenjagen durch die gesamte obere Etage rennen, immer im Kreis. Was es der Samtpfote natürlich leicht macht, unzählige Fluchtwege stehen dem Minitiger hier offen.

Die Katze sitzt unter dem Esszimmertisch. Ich rede mit betont ruhiger Stimme auf sie ein und versuche, sie unter dem Tisch hervorzulocken. Aber nicht mit Reddy! Sie kommt hervor, aber nur, um wie der Blitz abermals hinter der Couch zu verschwinden. Also wieder zurück auf Anfang. Ich liege auf der Couchlehne, damit ich besser mit meinem rechten Arm hinter die Couch reiche und will sie nochmal rausschieben. Sie haut ab, verschanzt sich dieses mal im Kratzbaum (ganz oben in 2 Meter Höhe) und pinkelt mir aus Angst und Protest auf den fluffigen Kratzbaumplüsch.

„Ich verstehe dich ja Mäuschen aber es hilft nix. Wir müssen jetzt beide da durch.“ Wobei ich glaube, dass der Schaden für mich auch nicht unerheblich sein wird: ein olfaktorischer Generalangriff und ein zerkratzter Unterarm bestätigen meine Vermutung.

Sie flüchtet in Richtung Treppenaufgang. Jetzt spielen wir ein Spiel, dass sich auch gut hinter einem großen, dicken Baumstamm spielen ließe: Um den Baum (bzw. den Treppenaufgang) rennen und fangen spielen: Anschleichen, im Kreis rennen, abrupter Richtungswechsel… Hab dich! Nee, doch nicht. Da! Endlich läuft sie die Treppe hinunter! Ich mit der Box hinterher! Unten im Flur sind die Fluchtmöglichkeiten nicht so zahlreich, da bekomme ich sie immer zu fassen. Ich laufe in den kleinen Flur und…keine Katze!?

Wo steckt sie denn nun schon wieder, sie läuft doch immer in den kleinen Flur und kauert sich in die Ecke. Ich gehe zurück zum Treppenaufgang. Nichts. Ich gehe hoch ins Wohnzimmer – Reddy weg. Das gibts doch nicht. Also nochmal runter in den Flur. Ich fange gerade an, an mir zu zweifeln, als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnehme:  Reddy sitzt hinter dem Vorhang an der Treppe und macht sich ganz klein. Ich stellte ihr die Box vor die Nase. Die vom Vorhang vollkommen umgebene Reddy sieht offenbar keine andere Möglichkeit als die Flucht nach vorn.Ein sanfter Schubs aufs Hinterteil und sie geht mit einem ängstlich grollenden Miau in die Box. „Das macht mir mehr Angst als dir, meine Katze!“ würde es hier ganz gut treffen!

 

Aber wie bekommt man denn jetzt eine Katze AUS der Transportbox? (Proband: Finn)

Schauen wir uns an, wie andere wahnsinnige WG-Mitglieder mit dem Thema Transportbox umgehen:

Einstens trugen wir Freunden auf, Kater Tom zum Tierarzt zu begleiten. Bei uns ist es üblich, die Katzenboxen offen im Haus stehen zu lassen, damit die wahnsinnige WG bei Bedarf darin schlafen kann. Das Katzenvolk soll sehen, dass so eine Transportbox nicht nur Unheil bedeutet.

Der schwarze, erhabene Kater Finn residierte in der einzigen Katzenbox, die zu diesem Zeitpunkt für unsere Freunde greif- und sichtbar im Arbeitszimmer herum stand. Um Tom in die Box reinzusetzen, muss Finn erstmal da raus!

Der Überlieferung nach zog man den Kater aus der Box (für ein Leckerli hatte er offenbar nur einen müden Augenaufschlag übrig); dieser verschwand aber ebenso schnell wieder darin, wie er herausgeholt wurde. Auch weitere Versuche, den schwarzen Kater zum Verlassen der Box zu bewegen blieben erfolglos und so kam man auf die Idee: die Box wird gekippt, damit der Kater rausrutscht.

Aber Finn bleibt stur! Er stemmt sich mit den Vorderpfoten gegen den Eingang der Box. „Komm! Jetzt! Da! Raus!“ Laut miauend und fauchend weigert er sich, seinen Schlafplatz zu verlassen. Schließlich schnappt sich die Tierarztbeauftragte die Box, hält sie mit der Öffnung nach unten in den Händen und schüttelt ein paar mal kräftig bis der Kater herausfällt. Mit „umgekehrter“ Psychologie hat sie der Schwerkraft zum Triumph verholfen – der Schwarze hat das Nachsehen.

 

Bei der Tierärztin. (Proband: Tom)

Bei der Tierärztin selbst sieht es nicht besser aus. Diesmal bin ich selbst mit Tom dort. Ich entferne vor der Behandlung bereits den Deckel der Box, damit sich der Kater schon mal im Behandlungszimmer umsehen und Gerüche wahrnehmen kann.

Dann biegt die Tierärztin um die Ecke. Sie ist eine sehr einfühlsame und freundliche junge Frau, die sehr viel Ruhe ausstrahlt. Was dem Kater in dieser Situation allerdings schnur(r)z ist: Er legt die Ohren an, duckt sich ganz tief in seinen Transportkorb und gibt das tiefste und gefährlichste Grollen von sich, das er aufbringen kann. Und er kann!! Sie zeigt sich vollkommen unbeeindruckt und hebt den jetzt nicht mehr ganz so sozialen Katz‘ mit einem Lächeln aus seinem sicheren Versteck.

Mindestens eine Arzthelferin und zwei große Schutzhandschuhe sind notwendig, um den Abwehrversuchen des Katers Stand zu halten. Er beißt, er faucht aus Leibeskräften und schlägt immer wieder mit ausgefahrenen Krallen blitzschnell zu! Bei der Tierärztin hat Tom so gar nichts mit dem geduldigen, verschmusten Kater gemein, der er sonst ist. Als die Untersuchung beendet ist, rennt er freiwillig in seine Box zurück und verdrückt sich in die hinterste Ecke.

Eine andere Tierärztin hatte nicht so viel Glück: Während einer Impfung biß ihr der Kater aus Notwehr in die Hand. Ich kenne Menschen, die würden das gleiche tun, kämen sie nur nahe genug an die Hand ihres Arztes heran! Frau Tierarzt schimpft, verlässt das Zimmer und kehrt kurz darauf  mit einer verbundenen Hand zurück.

Als wir eine Woche später nochmal vorstellig wurden, trug sie einen hübschen, blauen Verband; die Hand hatte sich entzündet. „Das hat bis jetzt nur 1 Hund bei mir geschafft.“ Das tat mir schon leid.

Allerdings geschah ihr es auch irgendwie recht: Bei einem früheren Besuch sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, sie würde sich nach so einem langen Tag nicht freuen, mich und meinen Kater hier zu sehen. Natürlich war er ungehalten aber das sind die meisten anderen Tiere beim Tierarzt auch. Ich wertete die verbundene Hand als Belohnung für vehemente Verteidigung  des Katers gegenüber unverschämten Personen. Früher oder später kommen eben alle Handlungen und Aussagen im Leben auf einen zurück… 😉

 

 

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

9 Gedanken zu „Komm! Jetzt! Da! Raus! („umgekehrte“ Psychologie)“

    1. Danke dir Alexander, dass meine Geschichte an den Bildschirm fesselt, macht mich stolz. 🙂 Hier passiert so viel lustiges, das muss man einfach mit anderen teilen!

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  1. Ach ja, da können wir alle Romane erzählen. Auch Bully liebt seine Tierärztin. Er muss sie jedesmal mit Urin markieren. Er zielt regelrecht und wenn sie nicht schnell genug ist, kommt noch eine kleine braune Kugel auf den Behandlungstisch. Und dann ist er der braveste Kater auf der ganzen Welt.
    LG Tina

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  2. Deine Geschichte ist so spannend, sooooo spannend (und auf eine so lustige Weise geschrieben) ! Bis zu Ende wussten wir nicht, wenn du zum Tierarzt mit einer Katze gut angekommen würdest, und wenn der Tierarzt sich lebhaft herausnehmen würde. Schnurr

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    1. Danke für das liebe Kompliment, ich freue mich sehr! In diesem Katzenhaufen ist es aber auch spannend, ich weiß oft gar nicht wo ich anfangen soll zu schreiben. Und wer nach dem Tierarztbesuch mit welchen Blessuren behaftet ist. 😉
      Ein herzliches Schnurr zurück!

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