Finde die Katze!

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Jeder Katzenbesitzer ist schon mindestens gefühlte 1000 mal rufend durch Haus oder Wohnung gerannt, um seinen Stubentiger zu suchen. Katzen sitzen einen Meter von deinem Fuß entfernt in ihrem Versteck und hören dir gern zu, wenn du ihren Namen rufst. Natürlich antworten sie nicht.

„Hhmmmmmmnjamnjamnjam, feiiiiiiines Fresserle!!!!“

Stille.

„Hmmmmmm, feiiiiiiiiiiin!!!“

Der soziale Katz‘ sitzt im Schlafzimmer, ganz hinten in meiner  Sockenschublade und schaut mir beim suchen zu. Erst als ich in die Küche gehe und tatsächlich mit einem Katzen-Stängelchen zurückkehre, lässt sich der Kater dazu herab, sein Versteck zu verlassen. Die WG weiß ganz genau, wann „hmjnamnjam“ ernst gemeint ist oder wann ich sie aus der Reserve locken will. Schlaues Volk. Ganz die Katzenmama!

Als wir vor 3 Jahren unsere Reddy mit nach Hause brachten, verhielt sich die Suchaktion ein wenig anders. Schon im Tierheim erklärte man uns, dass die Reddy die ganzen 5 Monate in denen sie schon bei ihnen war, niemals aus ihrer Kratzbaumhöhle kam. Sie verzog sich in die hinterste Ecke, drückte sich an die Wand, wenn jemand sie streichelte und kam auch nicht zum fressen heraus. Auch wenn kein Mensch in der Nähe war, sie kam nicht aus ihrem Versteck. Selbst die Anwesenheit der anderen Katzen schien ihr Angst zu machen.

Diesen kleinen Angsthasen also nahmen wir mit nach Hause. Das Tierheim ist 500 km von unserem Wohnort entfernt (meine Eltern wohnen ganz in der Nähe und fast jedesmal, wenn wir das Tierheim besuchten, fand eine Katze ein neues Zuhause. Mein Mann meint immer, wenn wir dort auftauchen, halten die schon die Transportkörbe bereit 😉 ).

Ein neues Zuhause bedeutete für unsere Reddy erst einmal, morgens unter Protest und großer Angst in einen Transportkorb verfrachtet zu werden. Als wir im Tierheim ankamen, saß Reddy schon im Korb und miaute tief und ängstlich. Solche Laute tun einem in der Seele weh aber es hilft ja nichts, die Autofahrt muss sie nun mal im Korb überstehen.

5 Stunden saß die arme Reddy hechelnd wie ein Hund (ja, wir haben ihr auf der Fahrt mehrere male Wasser gegeben) in ihrem Transportgefängnis. Als wir daheim ankamen, stellten wir zu allererst den Korb in den Flur. Der Rest der WG kam schnuppern. Nach einer kurzen Kennenlern-Zeit öffneten wir die Box: Unsere kleine, dicke Reddy sprang erstaunlich wendig aus dem Korb und rannte die Treppe hoch ins Wohnzimmer. Ich hinterher! Ich sah gerade noch ihr Hinterteil um die Ecke verschwinden und als ich eine Sekunde später um die Ecke bog, war die Katze weg. Ich meine nicht nur „unter dem Tisch oder hinter dem Schrank – weg“, ich meine verschwunden! Spurlos!

„Das gibts doch gar nicht, so groß ist unser Wohnzimmer nun auch wieder nicht.“ Mein Angetrauter ist ratlos und begibt sich auf die Suche. Wir gingen alle bisher dagewesenen Möglichkeiten durch:

  • auf einem der Stühle unter dem Esstisch? – Nein.
  • hinter der Couch? – Nüscht.
  • hinter dem Servierwagen? – Niente.
  • im Arbeitszimmer unter den Schreibtischen, hinter der Heizung, hinterm Regal, unter der anderen Heizung, im Katzenklo? – Nada!

Wir haben sogar in Räumen gesucht, deren Türen bei unserer Ankunft hundertprozentig geschlossen waren. Verzweiflung machte sich breit.

„Ist sie vielleicht unbemerkt nach unten gerannt und wir haben vergessen, die Wohnungstür zu schließen?“

Die Wohnungstür war zu und auch im Flur und im (ebenfalls verschlossenen) Keller war keine Reddy. Die Verzweiflung, die einen dann überfällt, können wohl nur Katzenbesitzer nachempfinden.

Wenn ich etwas partout nicht finden kann, gehe ich nach meinem Geheimrezept vor: Ich suche dort, wo es auf keinen Fall sein kann. Begonnen habe ich mit dieser Taktik, nachdem ich einmal als Pubertierende die Fernbedienung im Kühlschrank wiederfand. Beim fernsehen überkam mich der Gedanke an einen Snack, also ging ich – von mir unbemerkt – mit der Fernbedienung in der Hand in die Küche. Weil ich zum Kühlschrank durchsuchen beide Hände benötigte, legte ich die Fernbedienung ab. Zufrieden kehrte ich mit meinem Snack zur Couch zurück, wo mir die Abwesenheit des lebenswichtigen Utensils auffiel. Ich versuchte meine Gedankengänge noch einmal nachzuvollziehen und kam zu dem Schluss, daß die Fernbediehnung dort sein müsse, wo man sie keinesfalls vermutete. Ich hatte recht behalten.

„Das ist verrückt, aber es könnte gehen.“, merkte mein Angetrauter an. Und kam sogleich auch auf einen absurden Gedanken. „Bring mir mal die Taschenlampe.“ Er leutete dahin, wo er die Katze vermutete, sie aber auf keinen Fall sein könne und siehe da: Reddy saß unter(!) dem Ofen. Unser Wohnzimmer beherbergt einen großen, gemütlichen Kachelofen von fragwürdiger Farbgebung. Unser Ofen hat keine Füße, sondern steht komplett auf dem Boden auf. Nur eine kleine, halbrunde Öffnung am unteren Ende (hier wird wohl das Holz gelagert, was wir ab diesem Zeitpunkt auch taten) bot der verängstigten Reddy Unterschlupf. Sie hatte sich in die allerhinterste, linke Ecke gedrückt und glühte uns an.

„Ich wusste gar nicht, dass unter unserem Ofen so viel Platz ist.“

„Und wie bekommen wir sie da wieder raus?“

Mit „hmnjamnjam“, Futterrascheln und gut zureden war da nichts zu machen. Also legten wir uns flach auf den Bauch und versuchten, mit einer Hand nach Reddy zu greifen. Erfolglos, sie saß zu weit hinten. Wir haben es lange probiert. Dann kam mein Angetrauter auf einen wirkungsvollen Gedanken (der Zweck heiligt die Mittel, man möge uns verzeihen!): der Staubsauger kam zum Einsatz. Nein, nicht zum ansaugen! Was ihr wieder denkt! Die meisten Katzen haben Angst vor dem Staubsauger-Geräusch und flüchten.

Wir hielten das Staubsaugerrohr kurz an die Ofenöffnung und als wir ihn gleich darauf wieder aus machten, raste Reddy wie ein geölter Blitz unter dem Ofen hervor und hinter die Couch! Ihr Domizil für die nächten Tage und Wochen. Aber das war nicht schlimm; unsere Couch steht ein wenig von der Wand weg, so hatten wir unseren Angstpelz immer im Blick. Wir ließen sie vollkommen in Ruhe und schon bald fasste sie etwas Vertrauen.

Heute drohnt unsere Reddy zusammen mit den anderen WG-Mitgliedern abends auf der Couch. Die Herrschaften Katz‘ haben sich bereiterklärt, ihren beiden Dosenöffnern auch ein kleines Plätzchen auf derselben zur Verfügung zu stellen, schließlich sind wir ja doch recht umgänglich und lernfähig.

Ps. Während ich das hier schreibe – ich sitze in der Küche – versuchen Teile der  wahnsinnigen WG (sprich: Tabea!) mir permanent die Butter vom Tisch zu holen oder die Pfanne von gestern auszulecken. Sie glaubt, ich sehe sie nicht. Das gibt gleich eine kleine Dusche mit der Wasserspritze und dann sehen wir, wie lernfähig die Katze sind! 😉

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

6 Gedanken zu „Finde die Katze!“

  1. Oh nein, mit dem Staubsauger habt ihr Reddy wider raus bekommen ! Arme Reddy, das ist nicht Fairplay ! Bitte gebt unsere Mama keine Idee, wenn wir nach ein bisschen Ruhe suchen 😉 Schnurr

    Gefällt 1 Person

    1. Keine Angst, ihr Lieben, das war sozusagen ein Notfall. Bei der großen Angst, die sie in ihrer neuen Umgebung hatte, wäre sie uns warscheinlich unter dem Ofen verhungert. Aber natürlich halten wir dicht; Staubsauger und Katzen sind wirklich kein Fairplay! 🙂 Schnurrige Grüße

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