Ein ganz normaler Morgen

2012-03-12 21.37.39

 

Das Morgenritual

Kennt ihr das? Die Katze schubst. Sie holt Schwung und knallt mit ihrem Kopf gegen deine Hand. Wenn du Glück hast. Tom hat das ganze auch schon gemacht, als er auf meinem Kopfkissen saß. Verdammt, tut das weh! Katzen haben einen verdammt harten Schädel; ich nicht! Dieses schwungvolle schubsen – oder wie man in Fachkreisen sagt: Köpfchen geben – ist entweder eine Aufforderung oder ein Liebesbeweis (letzterer geht deutlich sanfter vonstatten). In Tom’s Fall heißt das: „Lass mich unter deine Decke!“ Ich hebe die Decke an und der Kater verschwindet darunter, dreht sich 2, 3 mal im Kreis (manchmal sind sie den Hunden erschreckend ähnlich) und rollt sich dann zum schlafen zusammen. Er kuschlig weich, warm und vibriert beim Schnurren. Das ist wie Wellness unter der Bettdecke.

Nach einer angemessenen morgentlichen Kuschelzeit, treibt es mich oder meinen Angetrauten aus dem Bett für einen kurzen Badezimmerbesuch. Bei der Rückkehr lassen wir die Schlafzimmertür einen Spalt offen. Es erfolgt die Begrüßung durch die Katzenmeute gefolgt vom allmorgentlichen Gerangel um den Platz unter meiner Bettdecke. Der Kater wird meist zuerst des Terrorkrümels ansichtig und ist beleidigt, dass er als Priviliegienkater jetzt nicht mehr allein im Schlafzimmer weilen darf. Von nun an stellt sich die Frage: Tabea oder Finchen, wer ist schneller unter der Decke?

Zumeist ist es Tabea. Die rollt sich zufrieden vor meinem Bauch zusammen und beginnt zu schnurren. Finchen riskiert einen Blick, was von Seiten des Terrorkrümels mit einem bedrohlichen, tiefen knurren quitiert wird. Ich male mir ein Kampfszenario unter meiner Bettdecke aus und fürchte um meine Epidermis. Finchen legt sich woanders hin und putzt sich. Eine Übersprungshandlung.

Irgendwann treiben Neugier, Hunger oder irgendwelche anderen Umstände den Terrorkrümel aus seiner Kuschelhöhle und schon ist Finchen zur Stelle: Sie klettert unter meine Decke und macht es sich bequem. Das bleibt nicht unbemerkt: Tabea plaziert sich auf derselben – und zwar genau auf der Stelle an der Finchen liegt – und fängt an, aus Leibeskräften zu treteln. Schön sorgfältig und unter deutlich hörbarem Kralleneinsatz. Ein knurren ertönt unter der Decke. Dann ein ein klägliches Miauen. Tabea trampelt Finchen solange auf dem Kopf herum, bis diese entnervt aufgibt und aus dem Schlafzimmer rennt. Der Terrorkrümel hat gewonnen. Für heute! Denn Finchen beherrscht dieses Spiel ebenso gut. Sie ist allerdings so groß, dass sie sich nur auf Decke und Tabea legen zu braucht und abwarten muss, bis dem zierlichen Kätzchen unter der Last der Main Coon die Luft wegbleibt. Dieses „jag den Gegner aus dem Bett“-Spiel wiederholt sich fast jedes Wochenende.

Hier scheint es bei Katzen und Frauen irgendwie das selbe zu sein: Rache ist subtil,  hinterhältig und Blutwurst!

 

Katzenwäsche

Ich betrete das Bad. Tabea auch. Ich verhindere, dass sie den Toilettendeckel besetzt bzw. in die Schüssel springt, je nachdem, ob der Deckel hochgeklappt ist oder nicht. Dafür werde ich mit einem „Mä-ääh“ beschimpft. Ich nehme Platz auf der Toilette, aus nachvollziehbaren Gründen mit nackten Oberschenkeln. Zum eigentlichen Vorhaben komme ich gar nicht, denn die Katze schickt sich an auf meinen Schoß zu springen. Sie setzt zum Sprung an und…. rutscht ab! Wer schon mal eine von ihrem Platz abrutschende Katze beobachtet hat weiß, dass sie sich mit den Krallen festhalten. So auch Tabea; in meinem Oberschenkel. SCH…..!!!! So muss sich der Prinz gefühlt haben, nachdem er sich durch die Dornenhecke zu Dornröschen durchgekämpft hat!

Jetzt ist Schluss, ich sperre die Katze aus dem Badezimmer und komme dann in aller Ruhe meinen morgentlichen Waschriten nach. Draussen lauert die Meute: Finchen kratzt an der Tür, Gill miaut wie immer zuckersüß, Tabea brüllt und Tom sitzt auf dem Beistelltischchen und hypnotisiert die Tür. Sogar Reddy ist heute mit von der Partie und stimmt in den miauenden Chor ein.

Als ich fertig bin, öffne ich die Tür und gewähre Einlass. Es ist jedesmal das gleiche Bild: Finchen springt zuerst auf das Waschbecken, um von dort einen besseren Überblick über meine Schminkutensilien zu haben und ein Teil zum spielen zu stibizen. Tabea hockt auf der anderen Seite des Waschbeckens um größer zu wirken und mir auf Augenhöhe lautstark mitzuteilen, dass jetzt die beste Zeit zum frühstücken wäre. Tom sitzt auf dem Badvorleger und macht erstmal eine ausgiebige Selbst-Beleckung. Zu Reinigungszwecken. Gill räkelt sich auf dem zweiten Badvorleger, rollt hin und her und hofft auf Bauchkraulen. Und Reddy läuft wie immer rein und raus weil sie sich nicht entscheiden kann, ob sie jetzt in diesem ihr recht unbekannten Raum Angst hat oder nicht. Ein kurzes „Hmnjamnjamnjam!“ genügt, und das Badezimmer ist augenblicklich Katzenfrei. Frühstück!

Warum ich die Katzen überhaupt in Schlafzimmer und Bad lasse? Weil ich es liebe. Weil mir ohne dieses schnurrige Durcheinander jeden Morgen etwas fehlen würde. Und weil ich ohne dieses alltägliche Chaos in der wahnsinnigen WG niemals auf die Idee gekommen wäre, über Katzen zu bloggen. 🙂

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

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