Im Badezimmer morgens halb 8 – Beinhart

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Es ist ein sonniger Sommermorgen. Ich stehe auf, um mich im Badezimmer für die Arbeit schick zu machen. Da ich guter Laune bin, entscheide ich mich für mein erst gestern neu erstandenes, sonnengelbes Shirt. Girlie-Shirt mit V-Ausschnitt, nur zum besseren Verständnis für die Fashion Victims unter den Katzenliebhabern.

Ich stehe im Badezimmer vor dem Spiegel. Hinter mir befindet sich die Heizung. Es ist ein Gerät der Marke „Schmale Heizung mit Abdeckblech. Das mit den länglichen Löchern.“ Auf selbigem gedenkt der getigerte Kater Tom Platz zu nehmen was der dann auch tut, um dem Treiben vor dem Spiegel zuzuschauen. Als ich fertig bin mit der morgentlichen Restaurierung schicke ich mich an, den Kater von der Heizung zu pflücken und das Bad zu verlassen.

Ich hebe den Kater hoch und der fängt herzzerreissend an zu schreien. Eine Kralle seiner rechten Vorderpfote hatte sich in einer der Heizungsrippen verfangen, was ihm große Schmerzen bereitete. Tom zappelt wie wild und schreit. Ich setze ihn zurück auf die Heizung, um das Pfötchen zu befreien aber er ist ausser sich und versucht von der Heizung zu springen, was ihm noch mehr Schmerzen macht. Mit der linken Hand halte ich den schreienden Kater fest, mit der rechten Hand versuche ich das Pfötchen aus der Heizung zu befreien.

Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie ein schwarzer Blitz um die Ecke schießt; Finn springt mir mit einem Satz auf den Rücken und krallt sich in meiner Hüfte fest. Er verkrallt sich in mein Shirt (und in meine Haut) und faucht immer wieder aus Leibeskräften!

„AUA! FINN; GEH DA RUNTER! Ich will ihm doch nur helfen!“

„Tom, halt still, sonst tust du dir weh!“

„FINN; LASS DAS!“

„FAUCCCCCCCHHH!“ „MIAAAAAAAAAU!!!!“ „AUAAAAAAA!!!!“

Finn hängt mit seinem ganzen Gewicht in meiner Haut und lässt nicht locker. Ich habe keine Hand frei, um ihn vom Rücken zu scheuchen, kann mich aber auch nicht nach vorn beugen damit er auf meinem Rücken sitzt, weil ich sonst nicht mehr sehe, wie ich Toms Pfote befreien kann. Einer hängt im Rücken, einer in der Heizung und alle schreien. Tolles Bild.

Endlich, nach gefühlten endlosen Minuten (tatsächlich hat das ganze Treiben höchstens 30-60 Sekunden gedauert) schaffe ich es, Toms Pfote aus der Heizung zu befreien. Er hört augenblicklich auf zu jammern. Zeitgleich hört auch Finn auf zu fauchen und lässt von mir ab. Beide springen von Heizung bzw. Rücken und suchen das Weite.

Ich gucke in den Spiegel und lege eine Schweigeminute für mein soeben verblichenes Shirt ein. Rote Flecken durchbrechen das Sonnengelb und die hineingerissenen Löcher sind weder zu stopfen noch gehen sie als modische Accessoires durch. Drei tiefere Löcher in der Haut über der Hüfte bluten ein wenig vor sich hin – und noch heute zieren drei kleine Narben meine Hüfte (worauf ich übrigens sehr stolz bin, weil es das einzige physisch sichtbare ist, was mir von meinem Finn noch geblieben ist).

Ich komme aus dem Badezimmer und schaue als erstes nach meinen beiden Helden. Tom sitzt auf dem Wohnzimmerteppich und leckt sein Pfötchen. Bei näherer Betrachtung und nach kurzem Funktionstest ist klar: dem Kater ist nichts passiert!

Finn sitzt im Flur in der Ecke mit dem Rücken zur Wand. Er duckt sich und legt die Ohren an, als ich auf ihn zukomme. Ich setze mich zu ihm auf den Boden und streichele seinen Kopf: „Ist schon gut Finn, ich weiß, dass du deinem Freund nur helfen wolltest. Alles in Ordnung!“ Der Kater entspannt sich und drückt sein Köpfchen gegen meine Hand. Ich liebe diese Katze!

Bei näherem Nachdenken war ich unglaublich gerührt von dieser Aktion. Auch wenn Finn anfangs sehr beleidigt war, als Tom zu uns kam und uns alle stellenweise mit dem Arsch nicht angeschaut hat, war er doch sofort zu Stelle, um seinen Freund ohne Rücksicht auf Verluste zu verteidigen! Er konnte ja nicht ahnen, dass ich Tom nicht wehtun wollte. So funktioniert wahre Freundschaft!

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Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

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