Des Katers Zeitvertreib

Unser kleines Wollknäuel 🙂

 

 

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Vor gar nicht all zu langer Zeit lebte in der wahnsinnigen Katzen-WG ein Hund. Richtig. Der Dosenöffner des Hauses hatte Zeit seines Lebens Hunde gehabt und hatte sein Herz an eine Rasse namens „Australian Shepard“ verloren. Das sind unheimlich tolle, gelehrige Hunde, die sehr gern laufen und Aufgaben gestellt bekommen. Unser Filou hatte hellblaue Augen und war weiß-rot gescheckt (red-merle, wie der Züchter sagt).

Ich sage hier „war“, weil er seit etwa einem Jahr nicht mehr in der Katzen-WG wohnt. Da unsere Dosenöffner sehr viel arbeiteten und dem einen oder anderen Hobby nachgingen, hatten sie bald sehr viel weniger Zeit für Filou als es geplant war. Die Schwester unseres Dosenöffners, ihres Zeichens ebenfalls eine sehr große Hundefreundin, musste ihren Liebling nach 12 Jahren einschläfern lassen und so ergab es sich, daß Filou bei ihr ein neues Zuhause fand.

Das war das Beste, was allen Beteiligten passieren konnte: Sie war nicht mehr allein, meine Dosenöffner waren froh, daß Filou in der Familie war uns sie ihn jederzeit besuchen konnten, wir Katzen waren froh, daß das hecktische Wollknäuel uns nicht mehr vor der Nase herumwuselte (obwohl: Finchen und Filou waren Freunde geworden, was sich auch spontan wieder zeigte, als sich die beiden nach 1 Jahr wiedersahen – als wären sie nie getrennt gewesen) aber das Beste kam für Filou selbst: Er durfte eine Ausbildung in der Rettungshundestaffel machen! Die beiden haben schon einige Prüfungen abgelegt (wobei der Hund schon deutlich weiter sei als sein Frauchen, wie sie uns kürzlich persönlich verriet) und Filou wird in den höhsten Tönen von den verantwortlichen Hundeführern gelobt.

Was ja auch kein Wunder ist, wurde er doch in einem höchst kompetenten Katzenhaushalt aufgezogen und erzogen. Herrchen merkte öfter an, das er glaube, der Hund hielte sich für eine Katze. Wie gesagt, wir hatten bei der Erziehung auch ganze Arbeit geleistet; allen voran unser Finn:

Folgendes Szenario ereignete sich des öfteren, als unser Filou noch ein knuffiger, süßer Welpe war. Finn, in Katzenjahren gesehen in jener Zeit in der Pubertät und somit im ausgesprochenen Flegelalter setzte sich gern hinter den Vorhang, der den Treppenaufgang vom Flur trennte. Der Kater saß also am Fuße der Treppe hinter dem Vorhang und wartete. Im Flur auf der anderen Seite des Vorhangs saß Filou. Der versuchte vorsichtig, seeeeehr vorsichtig sein Schnäuzchen durch den Vorhang zu schieben, weil er nur all zu gern die Treppe hinauf ins Wohnzimmer gelaufen wäre.

Patsch!

„Jaul!“

Also noch ein Versuch. Der kleine Kerl strengte sich wirklich an! Ganz vorsichtig steckte der das Schäuzchen wieder durch den Vorhang und…

Patsch!

„Jaul! Winsel! Fiiiiiiep!“

Das wiederholte sich einige male hintereinander. Vom oberen Ende des Treppenaufganges konnte man Finn bei dem Spielchen beobachten: Immer, wenn sich der kleine Filou dem Vorhang langsam näherte, hob der Kater gaaaaaanz langsam die Pfote. Und sobald sich die Hundenase ihren Weg durch den Vorhang bahnen wollte: Patsch! Unsere Dosenöffner wussten genau: Wenn Filou im Flur jault, lässt Finn ihn mal wieder nicht nach oben. Und hätte dieser Kater keine Ohren, ich schwöre, der hätte im Kreis gegrinst!

Aber wie eingangs erwähnt war Filou ein sehr gelehriger Hund. Irgenwann kam er auf die Idee, wenn er es nicht mit Vorsicht durch den Vorhang schaffte, dann eben mit Geschwindigkeit! Der Hund nahm Anlauf – und noch bevor der Kater die Pfote heben konnte, stürzte der Hund die Treppen hinauf in Richtung Wohnzimmer. So! Lektion 1 wäre dann also gelungen: Fasse dir ein Herz und sei mutig!

Als die Vorhang-Nummer nicht mehr funktionierte, suchte sich unser schwarzer, erhabener Kater ein neues Hobby. Die Treppe führt nach oben in ein offenes Wohn-Esszimmer und der Handlauf, der in der oberen Etage den Treppenaufgang einrahmt, ist aus Holz und so breit, daß eine Katze bequem darauf spazieren und schlafen kann. Unsere Dosenöffner nennen den Handlauf auf diesem Grund ihren „Catwalk“. Auf selbigem saß also seit neuestem der Finn, wartete, bis Filou unterhalb des Catwalkes vorbei lief und… Patsch! „Jaul!“ – das Spiel hatte seine Fortsetzung gefunden. Das ging aber nur so lange gut, bis der Hund groß genug war, um sich mit den Vorderpfoten auf den Handlauf zu stellen. Ein Bellen war nicht nötig, der Umstand, daß der Hund plötzlich so groß war, verdutzte den Kater so sehr, daß er das weite suchte und auch diesen Schabernack wohl oder übel aufgeben musste. Auch Lektion 2 war damit abgeschlossen: Alles Gute kommt nicht immer von oben!

Eines Tages hörte ich, wie sich meine Dosenöffner vor Freude und Verzückung gar nicht mehr einkriegten: Dieser Täuscher! Er mag ihn und will es nicht zugeben. Was war passiert? Der schwarze Finn hatte sich unbeobachtet gefühlt und wurde dabei beobachtet, wie er sich im Hundekörbchen liegend ganz eng an Filou geschmiegt hat. Dann stand er auf und hat ihm „Köpfchen gegeben“. Das machen Katzen nur, wenn sie ihre Zuneigung demonstrieren wollen und ihren Freund mit ihren Wangen „markieren“. Die Wangen einer Katze enthalten Duftdrüsen, wenn sie sich also an etwas oder jemandem reiben dann heißt das: du gehörst zu mir. Sobald der Kater seinen Dosenöffner erblickt hatte, nahm er augenblicklich Haltung an: Er streckte sich, so groß er konnte und stolzierte erhobenen Hauptes und aufrechten Schwanzes an Hund und Herrchen vorbei ohne die beiden auch nur eines Blickes zu würdigen. Ein Kater von seinem Rang unterhielt doch keine Freundschaft mit einem Hund! Pah!

Sobald er sich aber unbeobachtet fühlte, sah man den Kater im Hundekörbchen mit Filou kuscheln. Mit der Zeit wurde es dem Kater aber zusehens egal, ob er mit dem Hund gesehen wurde oder nicht, die beiden verstanden sich einfach prächtig! Wobei wir bei Lektion 3 wären: Wahre Freundschaft kennt keine Unterschiede!

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In trauter Zweisamkeit

Und wieder zeigt sich, daß wir Tiere euch Menschen auch immer wieder wichtige Lektionen fürs Leben mitgeben können und deshalb gilt: Wir sollten uns gegenseitig achten und froh sein, daß wir einander haben!

Im diesem Sinne: Ein herzliches Miau aus der Katzen-WG!

 

 

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

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