Amaretto

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Das kommt davon…

Wie ich sehe, hat mein Frauchen hier bereits mein Schnaps-Abenteuer zum besten gegeben. Da ich die Hauptdarstellerin dieser schönen Geschichte bin bestehe ich darauf, die Begebenheiten aus meiner ganz eigenen, kätzischen Sicht zu erzählen:

Es klingelt an der Tür. Die Nachbarin ist aufgebracht: „Ich bin wütend auf eure Tabea, so ein dreistes, Biest!“

Rückblende: Mein Dosenöffner kommt zur Mittagspause nach Hause und öffnet mir die Balkontür, da ich Auslass begehre. Ich renne zielstrebig durch Nachbars Garten, auf die Terrasse. Unlängst habe ich dort eine neue Katzenklappe entdeckt, durch die ich von Zeit zu Zeit in Nachbars Haus schlüpfe und die dort ansässigen Katzen verkloppe. Diesem schönen Hobby gehe ich schon nach, seit ich hier wohne. Eigentlich sind die beiden gar nicht so übel: da haben wir zum einen die hübsche, kleine weiße Langhaarkatze Minka mit dem grauen, buschigen Schwanz und den grauen Öhrchen. Und wir haben Otello, eine Siam, wenn ich mich nicht irre: hellbraunes Fell, dunkelbraunes Gesicht und blaue Augen. Er hat sehr kurzes, glänzendes Fell und sehr lange Beine. Aber sie sind eben auch sehr zurückhaltend, was geradezu danach schreit, dominiert zu werden.  Die Beiden also bewohnen das Nachbargrundstück. Da es aber zwei sehr schüchterne Gesellen sind, habe ich leichtes Spiel. Man nennt mich nicht umsonst den „Terrorkrümel“.

Wenn ich es mir recht überlege, hatten Nachbars Katzen unter der Schreckensherrschaft der wahnsinnigen WG noch nie viel zu lachen. Vor 5 Jahren zogen meine Dosenöffner in ihr schönes, neues Haus mit Garten und brachten die zwei Kater Tom und Finn mit. Letzterer war ein ganz Fieser! „Euer Finn ist wirklich ein sehr, sehr böser Kater“, sagte die Nachbarin zum Frauchen. Dieser Kater lauerte der armen, kleinen Minka wirklich überall auf: er saß stundenlang im Gebüsch neben Nachbars Terasse um im geeigneten Moment hervorzujagen und die überraschte Minka ein weiteres mal zu verhauen. Als ich dann bei meinen Menschen einzog, waren wir im Doppelpack und auch Kater Otello konnte angesichts der geballten Fiesheit nichts ausrichten. Dann starb der erhabene Kater Finn leider plötzlich und viel zu früh (und ich bin mir sicher, Minka und Otello hatten an dem Tag ne Party mit Mäusen, Milch und uneingeschränktem Freigang).

Auch ich wurde ruhiger. Ich gehe nur noch ab und zu rüber zu Nachbars, habe aber kein Interesse an Zoff und keine Lust, mich zu überanstrengen. Aber so wie es aussieht, bekamen Finn und ich vor knapp 2 Jahren eine würdige Nachfolgerin: Unsere WG-Mitbewohnerin Finchen, ihres Zeichens eine majestätische, blue-torty farbene Main Coon. Im letzen Jahr waren meine Menschen zwei Wochen zu einer Urlaubsreise aufgebrochen und übertrugen der Nachbarin auf der anderen Seite der Straße die Katzenpflege. Mitten im Urlaub erreichte Frauchen eine WhatsApp-Nachricht, wonach Finchen sich sehr mit Minka im Fell gehabt haben soll, sogar von Verletzungen war die Rede. Als Tage später meine Dosenöffner heim kehrten und aus dem Fenster in Richtung Nachbargarten schauten, sahen sie das Malheur: Was von oben zuerst nach großen, weißen Papierfetzen aussah, die wild über Nachbars Rasen verstreut waren, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Minkas Fell! Ach du Sch……öne Welt, das muss ja heftig gewesen sein! Hatten Nachbars jetzt etwa eine Nacktkatze??  Seit diesem Vorfall erkundigen sich unsere Zweibeiner regelmäßig um der nachbarschaftlichen Freundschaft Willen, ob wieder einmal etwas vorgefallen wäre oder ob es irgendwelche Gegenstände oder Tierarztkosten zu ersetzen gäbe. Und Finchen steht nun unter strenger Beobachtung…

Aber ich schweife ab, von meinem Ausflug durch Nachbars Katzenklappe war ja die Rede: Da die Terassentür bei Nachbars meistens offen steht, kann ich fliehen, wenn ich von den Nachbar-Zweibeinern erwischt werde. Diesmal nicht. Offensichtlich waren sie gerade im Begriff das Haus zu verlassen, als sie mich im Wohnzimmer bemerkten. Man versuchte mich durch die Terassentür rauszuscheuchen aber ich war erschrocken und geriet in Panik. Also mit Karacho über Tisch, Couch & Co., laut schimpfend: „Määäääääh! Mä-äääääh!!!!“ Dann bin ich wie von der Tarantel gestochen die Treppe runtergerannt, über einen weiteren Tisch und… KLIRR… Bäh, was ist das denn? Ich stehe in einer klebigen, süßlich riechenden Pfütze. „Komm her, du Biest, raus hier! Verschwinde endlich!“ Die Nachbarin war sauer und ich hab die Flucht ergriffen. Nix wie weg, wenn sie mich heute erwischt, zieht sie mir das Fell über die Ohren.

Ich setze mich an unsere Balkontür und miaue, was das Zeug hält. Mein Dosenöffner begrüßt mich mit den Worten: „Was hast du denn jetzt schon wieder angestellt, du alter Terrorkrümel??“ Wie mein Mensch mir erzählte, habe ich wohl Nachbars Schnapsregal abgeräumt und den Amaretto dem Erdboden gleich gemacht. Ich setze mich mitten ins Wohnzimmer und beginne, fein säuberlich meinen Schwanz, den Hintern und die Hinterbeine vom Amaretto zu befreien. Eigentlich gar nicht mal sooo übel, das Gesöff. Ich putze gründlicher. Als ich mir sicher bin, dass wirklich alle klebrigen Rückstände aus meinem weißen Fell entfernt sind, stehe ich auf und trete den Weg zu meinem Körbchen an.

Huuuuuiiiiii, was ist das denn? Mir kommt es vor, als sei das Zimmer schief… Einige angerempelte Vasen und Stuhlbeine später klettere ich mit aller mir noch zur Verfügung stehenden Kraft in mein gemütliches Schlafkörbchen und verfalle sofort für mehrere Stunden in den tiefen Schlaf der unerschrockenen Abenteuerin…

Es sei hier noch erwähnt, daß trotz all unserer Eskapaden meine Dosenöffner und unsere Nachbarn ein freundschaftliches und respektvolles Verhältnis pflegen. Und wir werden uns zukünftig nach Leibeskräften um Besserung bemühen!

 

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

2 Gedanken zu „Amaretto“

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