Tabea vs. der Müllmann

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Der Beweis

„Da ist sie! Da ist die blöde Vieh, die immer reißt die Müllsäcke auf!“ Der Müllmann mit italienischem Akzent und italienischem Temperament schimpft und ruft seinem Kollegen zu: „Seit Wochen, die Leute in dieser Straße schimpfen mit mir, was wir machen mit die gelben Säcke! Geh! Hau ab! Blöde Katze!“

Ich stehe am Fenster hinter der Gardine und sehe dem Schauspiel schmunzelnd zu.

Unter der Tujahecke hockt unsere Tabea und kommentiert jeden einzelnen Satz mit einem erbosten „Mä-ääääääääh!“ Der Müllmann schimpft, Tabea antwortet.

„Du blöde Vieh!“

„Määh!

„Hau ab!“

„Määäääääh!“

„Blöde Katze!!“

„Mä-ääääääääh!“ Eine Tabea lässt sich eben nicht so einfach verjagen.

Ich schaue dem Schauspiel mehrere Minuten lang zu und muss lachen. Tabea war schon immer eine furchtbar eigensinnige Katze; sie lässt sich eben nicht die „Maus aus dem Maul nehmen“, wie man in Katzenkreisen sagen würde.

Tabea ist eine sehr zierlliche Katze. Das Köpfchen und der Rücken sind braun getigert, Kinn, Bauch und Beine schneeweiß. Das rechte Ohr ist zur Hälfte ebenfalls weiß. Tabea hat einen kleinen Kringelschwanz, der immer lustig auf und ab wippt, wenn sie aufgeregt ist. Trotz dieses Handycaps ist sie extrem klettergeandt und kommt überall hin, wo sie hin will.

Tabea ist der Schrecken der Nachbarschaft; wo andere Katzen Mäuse jagen, hat sie die Angewohnheit, Küchenreste zu erbeuten.

Eines warmen Tages liege ich im Garten in meiner Hängematte, als das kleine Katzentier ein ziemlich großes, gebratenes Steak über den Rasen schleppt. Sie machte es sich damit im Gras bequem und begann zu fressen. Als ich ihr das Fleisch abnehmen wollte, bekam ich zum ersten mal in meinem Leben das tiefe, lange Knurren einer Katze zu hören. Noch dazu von einer so kleinen Katze. „Hoffentlich werde ich nicht eines Tages als Maus wiedergeboren.“, dachte ich.

„Dann friss dein Steak, aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt, wenn du dir den Magen verdirbst!“ Tabea antwortete mit einem schmatzenden Knurren. Sie verdarb sich den Magen nicht.

Im Gegenteil, sie war auf den Geschmack gekommen und schien einen sechsten Sinn für Wurstquellen in der Nachbarschaft zu haben. Einmal dachten wir, sie hätte eine Art Schlange im Maul, was sich bei näherem Hinsehen als ein dicker Streifen Speck entpuppte. Ein anderes mal stolzierte sie im Garten an mir vorbei, im Maul ein dickes Stück Bratwurst, fein säuberlich abgeschnitten und vermutlich von irgend einem Teller geklaut. Wie macht sie das? Und vor allem: Wiso merkt das keiner? Unlängst saß sie mit vollem Maul miauend vor unserer Balkontür und präsentierte die neueste Trophäe kätzischer Jagdkunst: Ein Wiener Würstchen! Dieses außergewöhnlich schlaue Exemplar der felinen Gattung begnügt sich längst schon nicht mehr mit dem, was die Natur zu bieten hat; sie hat die geschmacklichen Vorzüge der menschlichen Mahlzeiten für sich entdeckt. Und natürlich ist ihr nicht entgangen, daß die leeren Verpackungen in den gelben Müllsäcken auch oft noch ein paar schmackhafte Reste beinhalten.

Katzen sind ein Phänomen! Und angesichts ihrer trickreichen Jagden glaube ich sehr gern, daß sie sich selbst versorgen können. „Ob das Essen im Haus oder im Garten die Maus – die Katze findet alles raus!“ könnte der Werbeslogan für die pelzigen Selbstversorger sein.

Auch die Vorzüge menschlichen Trinkgenusses durfte unsere Tabea schon kennen lernen.

Eines schönen Tages lies mein Mann unsere Katzen raus und keine 15 Minuten später stand die Nachbarin vor unserer Tür: „Ich bin wütend auf eure Tabea! Wir haben sie in unserem Haus erwischt, sie kam schon wieder durch die Katzenklappe.“ Die Katzenklappe hatte Tabea bei einer ihrer Erkundungstouren im nachbarlichen Garten entdeckt. Tabea ist einfach durchspaziert, als wäre die Klappe eigens für sie dort angebracht worden.

„ Als wir sie rausjagen wollten, rannte sie in Panik über das Schränkchen, auf dem unsere Liköre stehen. Sie hat eine Flasche Amaretto heruntergeschmissen, unser Wohnzimmer riecht jetzt wie eine Schnapsbrennerei!“, erzählte unsere Nachbarin. Ich entschuldigte mich, bot an, die Flasche zu ersetzen und versprach ihr, besser auf unser Früchtchen aufzupassen.

Währenddessen im Wohnzimmer: Mitten auf dem Parkettboden sitzt eine kleine Katze mit tropfnassem Fell, die sich fein säuberlich und akribisch die Beine und das Hinterteil sauber leckt. Als sie damit fertig ist steht sie auf und tokelt mit einem zufriedenen „Miau“ in Richtung Schlafkörbchen. Dort schlief sie den Schlaf der unerschrockenen Abenteuerin…

Da soll nochmal einer behaupten Katzen wären langweilig, sie werden ihn ganz bestimmt eines besseren belehren!

Veröffentlicht von

rommyscats

Fünf bekloppte Katzen und eine verheiratete, vergessliche Dosenöffnerin Mitte 30 bloggen alle Unmöglichkeiten aus ihrem (Zusammen)Leben. Die Normalität versucht uns immer wieder einzuholen - aber wir sind schneller!

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